Podologe · Spezialist für Biomechanik · Gründer von VOLKAN
"Der Körper bricht nicht, weil er sich bewegt. Er verletzt sich, wenn die Belastung seine Fähigkeit zur Anpassung übersteigt."
Zwei Menschen. Der gleiche Berg. Zwei unterschiedliche Ergebnisse.
Vor einigen Monaten trafen in der Praxis zwei Patienten mit sehr ähnlichen Geschichten aufeinander.
Beide hatten die gleiche Wanderroute gemacht.
Die gleiche Distanz.
Der gleiche Höhenunterschied.
Sogar am selben Tag.
Dennoch beendete einer die Exkursion und genoss die Erfahrung und ging am nächsten Tag wieder spazieren.
Der andere konnte kaum den Fuß aufsetzen.
Die Frage schien offensichtlich.
Was hatte einer falsch gemacht?
Die Antwort wird dich wahrscheinlich überraschen.
Oftmals hatte keiner etwas falsch gemacht.
Einfach, ihre Körper hatten unterschiedliche Anpassungsfähigkeiten.
Und diese Unterschied macht alles anders.
Unserer Körper ist darauf ausgelegt, sich anzupassen.
Jedes Mal, wenn wir gehen, laufen oder Gewicht heben, erhält der Organismus eine Belastung.
Weit davon entfernt, negativ zu sein, ist diese Belastung notwendig.
Dank ihr stärken wir Muskeln, Sehnen und Knochen.
Aber es gibt eine Bedingung.
Die Belastung muss für die Fähigkeit des Körpers in diesem Moment angemessen sein.
Wenn der Reiz zu klein ist, wird es kaum Veränderungen geben.
Wenn er übermäßig ist, haben die Gewebe keine Zeit, sich anzupassen.
Dort ist das, wo oft viele Verletzungen auftreten.
Deshalb sprechen wir in Biomechanik nicht nur von Bewegung.
Wir sprechen von der Beziehung zwischen der Last und der Fähigkeit des Körpers zur Anpassung.
Das Problem ist selten das Gehen.
Häufig höre ich Sätze wie:
"Gehen hat mich verletzt."
"Laufen zerstört meine Knie."
"Wandern ist nicht gut für meine Füße."
In Wirklichkeit sind Gehen, Laufen oder Bergsteigen nicht das Problem.
Wichtig ist, uns zu fragen, ob unser Körper auf diese Anforderungen vorbereitet war.
Es ist der gleiche differenz, die zwischen dem Heben einer Einkaufstasche und dem Heben von hundert Kilo im Fitnessstudio besteht.
Die Bewegung kann ähnlich sein.
Die Last nicht.
Und vor allem ist auch die Vorbereitung der Person, die sie ausführt, nicht vergleichbar.
Was hat das mit Barfußlaufen zu tun?
Viel mehr, als es scheint.
Ein Übergang zu Barfußschuhen bedeutet auch einen Wechsel der Last.
Die Muskeln des Fußes beginnen, mehr zu arbeiten.
Die Sehnen arbeiten auf eine andere Weise.
Die Gelenke erhalten Reize, an die sie vielleicht nicht gewöhnt waren.
Das bedeutet nicht, dass Barfußlaufen gefährlich ist.
Es bedeutet, dass der Körper Zeit braucht, um sich anzupassen.
Der häufigste Fehler ist, kein minimalistisches Schuhwerk zu tragen.
Es zu denken dass ein Fuß, der seit dreißig Jahren auf eine bestimmte Weise funktioniert, sich in einer Woche ändern kann.
Die Biomechanik erinnert uns immer an dieselbe Lektion.
Die Anpassungen brauchen Zeit.
Was ich jeden Tag in der Sprechstunde sehe
Viele Menschen kommen enttäuscht an.
Sie haben gelesen, dass Barfußlaufen die Füße stärkt.
Sie kaufen minimalistische Schuhe.
Und nach wenigen Tagen treten Beschwerden auf.
Nicht weil das Schuhwerk das Problem ist.
Sondern weil der Prozess zu schnell war.
Es ist ähnlich wie bei jemandem, der jahrelang nicht gelaufen ist und am ersten Wochenende einen Halbmarathon absolvieren möchte.
Das Problem ist nicht das Laufen.
Das Problem ist der Mangel an Anpassung.
Wenn ich das erkläre, ändern die meisten Patienten völlig ihre Art, den Prozess zu verstehen.
Sie hören auf, nach sofortigen Ergebnissen zu suchen.
Sie beginnen, sie aufzubauen.
Was kannst du ab heute tun
Jedes Mal, wenn du eine wichtige Veränderung in deiner körperlichen Aktivität einführen möchtest, stelle dir eine sehr einfache Frage.
Gebe ich dem Körper genug Zeit, um sich anzupassen?
Wenn du die Spaziergänge erhöhst, tue es schrittweise.
Wenn du anfängst, zu laufen, erhöhe die Belastung langsam.
Und wenn du dich entscheidest, den Übergang zu Barfußschuhen zu machen, lass deine Füße ohne Eile ihre Fähigkeiten zurückgewinnen.
Die Anpassung versteht niemals von Zeitplänen.
Sie versteht von progressiven Reizen.
🔬 In einem Satz
Die Belastung verursacht keine Verletzungen. Was Verletzungen verursacht, ist eine Belastung, für die der Körper noch nicht vorbereitet war.
Die wichtigste Idee
Der Körper ist außergewöhnlich widerstandsfähig.
Aber auch außergewöhnlich ehrlich.
Er reagiert immer auf die Reize, die er erhält.
Wenn wir seine Zeiten respektieren, passt er sich an.
Wenn wir sie ignorieren, zwingt er uns, anzuhalten.
Deshalb besteht die beste Strategie nicht darin, die Bewegung zu vermeiden.
Es geht darum, den Körper darauf vorzubereiten.
Eine Frage zum Nachdenken
Das nächste Mal, wenn ein Unbehagen auftritt, frage dich:
Hat mein Körper versagt… oder habe ich ihm einfach mehr abverlangt, als er noch bieten konnte?
Im nächsten Artikel…
Wenn sich der Körper kontinuierlich anpasst, taucht eine neue Frage auf.
Warum denken wir dann seit Jahrzehnten, dass der Fuß so viel Unterstützung braucht?
Wir werden entdecken, wie das Konzept der Stabilität im Schuhwerk entstand und ob ein Fuß wirklich besser funktioniert, wenn er mehr arbeitet… oder wenn er weniger arbeitet.